Ratgeber
Mitarbeiten auf dem Hof: Urlaub mit Mistgabel
Mithelfen im Urlaub, WWOOF, FÖJ oder Solawi: welche Wege es gibt und was du vorher klären solltest.
Stand: 2. Oktober 2026 · Redaktion biohofurlaub.de
Viele Menschen wollen auf dem Hof nicht nur wohnen, sondern anpacken: Kühe in den Stall treiben, Kartoffeln lesen, Äpfel pflücken. Dafür gibt es mehrere Wege. Sie unterscheiden sich darin, wie viel du arbeitest, ob du dafür zahlst und wie lange du bleibst.
Vier Wege im Überblick
| Weg | Dauer | Wer zahlt | Für wen |
|---|---|---|---|
| Mithelfen im Hofurlaub | ein paar Stunden während des Urlaubs | du zahlst die Unterkunft wie üblich | Familien und alle, die zuschauen und mitmachen wollen |
| WWOOF | meist Tage bis Wochen | du zahlst den Mitgliedsbeitrag, der Hof stellt Unterkunft und Essen | Reisende, die länger auf einem Öko-Hof mitarbeiten wollen |
| Freiwilliges Ökologisches Jahr | 6 bis 18 Monate, meist 12 | du bekommst ein Taschengeld | junge Menschen zwischen Schule und Ausbildung |
| Mitmachtage bei einer Solawi | einzelne Tage | Mitglieder tragen die Kosten der Ernte gemeinsam | Menschen in der Nähe eines Solawi-Hofes |
Mithelfen im Hofurlaub
Auf vielen Höfen kannst du als Feriengast bei der täglichen Arbeit dabei sein. Typisch sind Füttern am Morgen, Eier einsammeln, Kälber tränken oder bei der Ernte im Garten helfen. Wie viel möglich ist, entscheidet die Hoffamilie. Manche Höfe bieten feste Zeiten an, etwa eine Stallrunde am Abend, andere nehmen Gäste spontan mit.
Ein paar Regeln gelten fast überall. In den Stall gehst du nur mit der Hoffamilie. Maschinen sind tabu, auch wenn sie still stehen. Und wer mithilft, richtet sich nach dem Takt des Hofes: Gemolken wird zu festen Zeiten, nicht dann, wenn alle ausgeschlafen haben.
Frag schon bei der Anfrage, ob und wie Gäste mithelfen können. Auf biohofurlaub.de steht „Mitarbeit möglich" als Merkmal am Hof, sobald die ersten Höfe online sind.
WWOOF: arbeiten gegen Kost und Logis
WWOOF ist ein weltweites Netz von Öko-Höfen, die Freiwillige aufnehmen. In Deutschland organisiert das der Verein WWOOF Deutschland. Freiwillige und Höfe werden Mitglied, der Beitrag für eine Einzel- oder Hofmitgliedschaft liegt bei 35 Euro im Jahr1.
Der Hof stellt Unterkunft und Verpflegung, Geld fließt in keine Richtung: Die Höfe verpflichten sich, von Freiwilligen kein Geld für den Aufenthalt zu verlangen1. Die Unterkunft soll sauber, trocken und ohne Gefahr für die Gesundheit sein, gemeinsame Mahlzeiten sind erwünscht. Jugendliche unter 18 brauchen eine Einverständniserklärung der Eltern. Für Schäden haftet der Verein nicht1.
Wie viele Stunden am Tag gearbeitet wird, legt die Beitragsordnung nicht fest. Das sprecht ihr vorher mit dem Hof ab. Nicht jeder WWOOF-Hof ist bio-zertifiziert. Wenn dir das wichtig ist, frag nach dem Zertifikat.
Freiwilliges Ökologisches Jahr
Das Freiwillige Ökologische Jahr, kurz FÖJ, ist ein Freiwilligendienst für junge Menschen zwischen 15 und 26 Jahren. Es dauert mindestens 6 und höchstens 18 Monate, meist 12. Freiwillige bekommen ein Taschengeld, laut Arbeitsagentur in der Regel um die 300 Euro im Monat, dazu je nach Stelle Unterkunft und Verpflegung2. Einsatzstellen sind unter anderem ökologische Höfe.
Das FÖJ ist ein Jahr mit fester Arbeitszeit und Seminaren. Wer überlegt, ob Landwirtschaft ein Beruf für einen ist, kann es dort ein Jahr lang ausprobieren.
Solawi: Mitmachtage auf dem Acker
In einer Solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi, tragen die Mitglieder gemeinsam die Kosten eines Hofes und teilen sich die Ernte3. Viele Solawis laden zu Mitmachtagen ein: Kartoffeln legen, Unkraut hacken, Kürbisse ernten. Das passt eher zum Wochenende in der Nähe als zum Urlaub, ist aber ein guter Einstieg, um einen Bio-Hof von innen kennenzulernen. Wie Höfe und Genossenschaften solche Modelle aufbauen, ist Thema der Beratung für Landwirtschaft und Genossenschaften.
Was du vorher klären solltest
Je länger und je mehr du mitarbeitest, desto wichtiger sind klare Absprachen. Diese Fragen helfen:
- Wie viele Stunden am Tag und an wie vielen Tagen in der Woche?
- Was gehört zur Arbeit, und was ist ausgeschlossen, etwa Maschinen oder Arbeit mit Bullen?
- Wo schlafe ich, und wie wird gegessen?
- Wer zahlt bei einem Unfall? Eine eigene Unfall- und Haftpflichtversicherung ist sinnvoll.
- Welche Kleidung brauche ich? Feste Schuhe und Arbeitshandschuhe gehören fast immer dazu.
Mitarbeit gegen Kost und Logis kann rechtlich ein Arbeitsverhältnis sein, mit allen Folgen für Lohn und Versicherung. Ob das so ist, hängt vom Einzelfall ab. Bei längeren Aufenthalten außerhalb von WWOOF oder FÖJ sollte der Hof das klären.
Häufige Fragen
Brauche ich Erfahrung in der Landwirtschaft?
Nein. Höfe, die Gäste oder Freiwillige aufnehmen, rechnen mit Anfängern. Wichtig sind Lust auf körperliche Arbeit und die Bereitschaft, früh aufzustehen.
Kann ich mit Kindern mitarbeiten?
Im Hofurlaub ja, bei kleinen Aufgaben und unter Aufsicht. Ob WWOOF mit Kindern geht, entscheidet der einzelne Hof. Frag vorher nach.
Muss ich für WWOOF bezahlen?
Nur den Mitgliedsbeitrag an WWOOF Deutschland. Der Hof verlangt für den Aufenthalt kein Geld.
Quellen
- WWOOF Deutschland e.V.: Mitglieder- und Beitragsordnung, gültig ab 3. Februar 2025, docs.wwoof.net
- Bundesagentur für Arbeit: Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), arbeitsagentur.de
- Netzwerk Solidarische Landwirtschaft: Was ist Solawi?, solidarische-landwirtschaft.org